Lese- und Rechtschreibstörung

Erste Anzeichen im Vorschulalter

Im Vorschulalter finden sich oftmals erste Anzeichen für eine spätere Lese- und/oder Rechtschreibstörung (LRS). Typische Schwierigkeiten zeigen sich beim:

  • Nachsprechen von Wörtern
  • Erkennen von Buchstaben
  • Erkennen, ob zwei gehörte Wörter gleich oder unterschiedlich sind
  • Erkennen, ob zwei gehörte Wörter unterschiedlich lang sind
  • Finden von Reimwörtern
  • Wörter nennen, die mit dem gleichen Laut beginnen (z.B. Apfel, Anker, Adler)
  • Bestimmen der Position eines Lautes im Wort (Anfang, Mitte oder Ende des Wortes)
  • Weglassen von Lauten (Baum ohne B = aum)
  • Gliedern von Wörtern in Silben (z. B. Tomate = To-ma-te)

Typische Anzeichen im Grundschulalter

Alle Kinder machen anfangs Fehler beim Erlernen des Lesens und Schreibens. Für eine Lese- und/oder Rechtschreibstörung (LRS) ist es daher wichtig, welche Fehler ein Kind macht und vor allem wie oft die Fehler auftauchen.

Kinder mit einer LRS verfügen über eine normale allgemeine Lernfähigkeit. Im Vergleich mit Gleichaltrigen zeigen sie jedoch erhebliche Schwierigkeiten beim Schriftspracherwerb. Betroffenen Kindern fehlen meist gewisse Vorläuferfertigkeiten und sie haben deshalb Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und Schreibens.

Bereits zu Beginn des Schriftspracherwerbs in der Grundschule zeigen sich oft diese Schwierigkeiten

  • der Zuordnung von gehörten Lauten zu Buchstaben oder zu Buchstabenkombinationen und umgekehrt
  • der Zerlegung eines Wortes in seine einzelnen Laute
  • dem Zählen der Laute in einem Wort
  • der Verbindung von Lauten zu einem Wort
  • dem Gliedern von Wörtern in Silben (z. B. Auto = Au-to)


Typische Anzeichen beim Lesen

  • Schwierigkeiten beim Zusammenschleifen von Lauten zu Wörtern (z. B. [b]-[ɪ]-[r]-[n]-[ə] = [ˈbɪrnə ] / „birne“)
  • Versuch, Wörter beim Lesen zu erraten (z. B. erster Laut eines Worts wird erkannt un/“d das Wort dann erraten)
  • Auslassen, Ersetzen oder Hinzufügen von Wörtern, Wortteilen oder Buchstaben
  • Ersetzen von Wörtern durch ein in der Bedeutung ähnliches Wort
  • Sehr niedrige Lesegeschwindigkeit
  • Startschwierigkeiten beim Vorlesen, langes Zögern oder Verlieren der Zeile beim Textlesen
  • Stockendes Lesen
  • Nicht sinnhaftes Betonen beim Vorlesen
  • Sinnhafte Wiedergabe von Gelesenem nicht möglich
  • Schwierigkeiten, Zusammenhänge aus dem Gelesenen zu erkennen


Typische Anzeichen beim Schreiben

  • Geschriebene Buchstaben eines Wortes stehen in keinem Zusammenhang zu den Lauten des Wortes.
  • “Skelettschreibungen“ (Verschriftlichen nur der markanten Laute eines Wortes, z.B. „Rke“ statt Rakete)
  • Auslassen, Umstellen oder Hinzufügen von Buchstaben beim Schreiben von Wörtern
  • Schwierigkeiten beim Schreiben von Konsonantenhäufungen am Wortanfang (z.B. tr in trinken) und Konsonantendoppelungen (z.B. ff in Stoff)
  • Hohe Fehlerzahl beim Schreiben von Wörtern, Sätzen und Texten in Diktaten und beim Abschreiben
  • Schwierigkeiten beim Einhalten grammatischer Regeln, wie z.B. Groß- und Kleinschreibung und Interpunktionsfehler
  • Unleserliche Handschrift

Erste Anlaufstelle Schule

Sprechen Sie bitte zunächst die Lehrkraft an, die den Deutschunterricht in der Klasse Ihres Kindes gibt, wenn Sie vermuten, dass ihr Kind anhaltende Schwierigkeiten beim Lesen und/oder Rechtschreiben hat oder  eine Lese- und/oder Rechtschreibstörung (LRS) vorliegen könnte.

Aufgrund der Kenntnis des Lernstandes der Klasse ist es der Lehrkraft meist möglich, eine erste fundierte Einschätzung zu geben. Sieht auch die Lehrkraft, dass Ihr Kind typische Symptome einer Lesestörung/Rechtschreibstörung zeigt, so besprechen Sie mit der Schule die nächsten Schritte.

Folgende nächste Schritte sind möglich:

  • Der schulpsychologische Dienst untersucht das Kind und gibt eine Einschätzung, ob und welche Unterstützungsmaßnahmen notwendig sind.
  • Die Lehrkraft und die Schulleitung  entscheiden, ob die Lese- und/oder Rechtschreibprobleme so gravierend sind, dass eine zusätzliche Förderung notwendig ist, ein Nachteilsausgleich und/oder ein Notenschutz gewährt wird¹
  • Eine amtlich anerkannte Diagnose einer LRS nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kann zusätzlich eingeholt werden. Sie ist unter Umständen hilfreich, damit das betroffene Kind in der Schule weitere Unterstützung und Förderung erhält.

¹ Hängt von den Regelungen der einzelnen Bundesländer ab.

Förderung, Nachteilsausgleich und andere Benotung in der Schule

Bildung ist Ländersache. Wie Ihr Kind in der Schule unterstützt wird, hängt daher vom jeweiligen Bundesland und der Schule selbst ab. In manchen Bundesländern gibt es gesetzliche Erlasse für den Umgang mit einer LRS. Diese Erlasse regeln, welche Unterstützung Ihrem Kind in welchen Jahrgangsstufen zusteht. Weitere Informationen dazu finden Sie auch auf den Webseiten der Kultusministerien Ihres jeweiligen Bundeslandes. Letztlich entscheiden die Schule und die Schulleitung, was im Einzelfall getan wird. Grundsätzlich ist jede Schule verpflichtet, ihre Schüler*innen individuell bestmöglich zu fördern.

 

Schulische Unterstützungsmöglichkeiten

Die Unterstützung, die Ihr Kind in der Schule erhält, ist meistens auf ein Schuljahr beschränkt und muss für jedes Schuljahr neu genehmigt werden. Zunächst werden meist Unterrichtsdidaktische Methoden angewandt, um das Kind zu fördern.  Spezifische schulische Förderangebote gibt es in Abhängigkeit von den personellen Kapazitäten und den jeweiligen Regelungen der Bundesländer:

 

  • Schulische Förderung:
    Ihr Kind erhält während der Schulzeit eine Förderung. Diese erfolgt in der Zeit des regulären Schulunterrichts, in speziellen Förderkursen oder sogar in seltenen Fällen als Einzelförderung angeboten werden. Sie wird von einer Lehrkraft oder dafür ausgebildeten Kraft  durchgeführt, die auf den Umgang mit LRS spezialisiert ist. Art, Inhalt und Umfang der Förderung können sich stark von Schule zu Schule unterscheiden. Zusätzlich zur schulischen Unterstützung kann Nachteilsausgleich und Notenschutz gewährt werden.

 

  • Nachteilsausgleich (Möglichkeiten):
    • Verlängerte Arbeitszeit oder Pausen bei Leistungserhebungen, Tests oder Prüfungen
    • Schriftliche Aufgabenstellungen werden bei einer Lesestörung in allen Fächern vorgelesen
    • Aufgabenvorlagen (Texte) lesefreundlich gestaltet (z. B. vergrößerte Buchstaben > 12pt, größerer Zeilenabstand, serifenlose Schrift)
    • Einsatz von Hilfsmitteln, z.B. Laptop, Diktiergerät, Leselineal
    • Prüfungen in gesonderten Räumen in ruhiger Umgebung
    • Geänderte oder vereinfachte Aufgabenstellung bei Hausaufgaben
    • Gedruckten Text zur Verfügung stellen anstelle einer Tafelabschrift
    • Leistungserhebung ohne erheblichen Schreibaufwand, z. B. durch vorgefertigte Arbeitsblätter oder Multiple-Choice-Fragen

Ein Nachteilsausgleich darf nicht im Zeugnis vermerkt werden. Meist wird ein Nachteilsausgleich in Deutsch auch für Fremdsprachen gewährt.

 

  • Notenschutz:
    Ihr Kind wird im Vergleich zu den Mitschülern anders benotet.
    Folgende Möglichkeiten gibt es:
    • Die reguläre Note wird durch eine schriftliche Bewertung ersetzt oder ergänzt
    • Die Benotung beruht auf mündlichen und nicht schriftlichen Leistungen oder umgekehrt
    • Bei der Benotung werden mündliche und schriftliche Leistungen individuell gewichtet
    • Die Benotung einer bestimmten Leistung (z.B. der Rechtschreibung) wird für einen bestimmten Zeitraum komplett ausgesetzt

Ihrem Kind ist es mit einer anderen Benotung leichter möglich, trotz der LRS in der Schule erfolgreich voranzuschreiten. Zeigt die Förderung Wirkung und die Leistungen verbessern sich deutlich, so ist eine geänderte Benotung nicht mehr nötig.
Die Art der Benotung darf meistens nur geändert werden, wenn in dem Bundesland entsprechende schulrechtliche Regelungen vorliegen und die Schulleitung/ Klassenleitung dies befürwortet (*Fußnote: die Entscheidung über die Gewährung von Notenschutz ist in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich geregelt.

Zusätzliche Belastungen (Komorbiditäten)

Kinder LRS erleben häufiger Misserfolge in der Schule als andere Kinder. Insbesondere vor Tests und Prüfungen kann es vorkommen, dass sie über Bauchschmerzen, Kopfschmerzen oder Übelkeit klagen. Traurigkeit oder auch aggressives und gereiztes Verhalten können im Zusammenhang mit dem Lesen und Schreiben ebenso vermehrt auftreten. Betroffene Kinder verlieren oft die Lust an der Schule, aufgrund der vielen schlechten Erfahrungen, die sie dort machen. Sie möchten dann nicht mehr lernen und versuchen, Leistungssituationen komplett aus dem Weg zu gehen. Langfristig können Kinder auch eine Angststörung in Zusammenhang mit der Schule entwickeln.

Etwa jedes vierte bis fünfte Kind mit einer LRS hat zusätzlich besondere Lernschwierigkeiten beim Rechnen. Bisweilen zeigen sich auch Aufmerksamkeitsdefizite bzw. Hyperaktivitätsprobleme. Bei einer professionellen Diagnostik der LRS sollte daher standardmäßig überprüft werden, ob zusätzlich eine Rechenstörung oder eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) vorliegt.

Umgang mit Fremdsprachen

Eine LRS wirkt sich auch auf den Fremdsprachunterricht aus.

Beim Lernen von Fremdsprachen zuhause hängt es von der jeweiligen Fremdsprache ab, welche Unterstützung sinnvoll ist. Hilfreich ist, die häusliche Unterstützung mit der zuständigen Lehrkraft abzustimmen.  Außerdem muss vorab geklärt werden, ob sich die LRS auch in den Fremdsprachen zeigt.

  • Beim Vokabellernen sollte jedes Wort mit genau einer Übersetzung gelernt werden.
  • Die Markierung des Wortes in Silben beim Lesen und besonders schwieriger Stellen beim Schreiben unterstützt.
  • Anzahl der täglich zu lernenden Vokabeln begrenzen.
  • Wort-Karteikarten nutzen: z.B. Sätze legen lassen, Zuordnungen/Paare bilden, Memory spielen;
  • Zur Verbesserung der Aussprache: Übungen mit Lernsoftware einbauen, Vokabel-Apps und Sprach-CDs nutzen und Filme in Originalsprache anschauen

Sprachen unterscheiden sich sehr stark hinsichtlich ihrer lauttreuen Aussprache und Schreibung. Englisch und Französisch sind sogenannte intransparente, wenig lautgetreue Sprachen, während Latein und Spanisch eher transparente, lautgetreue Sprachen sind. Bei vielen englischen Wörtern, wie z.B. dem Wort „know“ (=wissen), kann beispielsweise weder von der Aussprache auf die Schreibung noch umgekehrt geschlossen werden. In einer transparenten Sprache wie Latein werden viele Wörter so geschrieben wie gesprochen. Das Lesen und Rechtschreiben von Wörtern in eher transparenten, lautgetreuen Sprachen ist für Kinder mit einer LRS meistens leichter zu bewältigen und sie müssen sich weniger Rechtschreibregeln und Ausnahmen merken.

Diagnostik nach ICD-10

Wenn die individuelle Förderung in der Schule keine Besserung bei Ihrem Kind zeigt, ist zu klären, ob eine zusätzliche Lerntherapie erforderlich ist.

Spätestens dann sollte eine ausführliche Diagnostik nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation durchgeführt werden. Geprüft wird dabei, ob LRS gemäß ICD-10 vorliegt.

Nur mit einer solchen Diagnose kann eine in manchen Fällen mögliche Übernahme der außerschulischen Therapiekosten beim Jugendamt beantragt werden. In einigen Fällen ist eine solche Diagnose auch für die Schule erforderlich, damit das Kind beispielsweise einen Nachteilsausgleich erhält.

 

Zuständigkeiten

psychologisch-psychiatrische Fachkräfte stellen die Diagnose einer LRS. Zur Terminvereinbarung können Sie sich an die folgenden Stellen wenden:

  • Ambulanz einer Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und-psychotherapie (Überblick aller Ambulanzen: https://www.kinderpsychiater.org/praxen-kliniken-ambulanzen/)
  • Arztpraxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie und-psychotherapie (Überblick aller Arztpraxen: https://www.kinderpsychiater.org/praxen-kliniken-ambulanzen/)
  • Sozialpädiatrisches Zentrum / Klinik (Überblick aller SPZs: https://www.dgspj.de/institution/sozialpaediatrische-zentren/)
  • Praxis für Kinder- und Jugendpsychotherapie

 

Ablauf

Die Untersuchung gliedert sich grob in drei Teile:

 

Gespräch mit Eltern und Kind

Ziel des Gesprächs ist es, die bisherige Entwicklung Ihres Kindes zu erfassen und die aktuelle Situation in der Schule, zu Hause und innerhalb der Familie kennenzulernen. Dabei werden die individuellen Belastungen des Kindes und der Eltern erfasst und die konkreten Probleme im Lesen und Rechtschreiben genauer erfragt. Liegen psychische Belastungen ausgelöst durch die Lernprobleme ihres Kindes bei Ihnen und bei ihrem Kind vor, sollten diese unbedingt berichtet werden.

 

Körperlich-neurologische Untersuchung

Die körperlich-neurologische Untersuchung wird von einem Arzt durchgeführt. Es wird unter anderem untersucht, ob Ihr Kind ausreichend gut sieht und hört. Auch wird überprüft, ob nicht andere Erkrankungen vorliegen, die womöglich für die Probleme im Lesen und Schreiben verantwortlich sein können.

 

Testpsychologische Untersuchung

Die testpsychologische Untersuchung wird meistens von Psycholog*innen durchgeführt. Ihr Kind bearbeitet dabei standardmäßig einen Intelligenztest und einen Lese- bzw. Rechtschreibtest. Anhand des Intelligenztests wird überprüft, ob eine Intelligenzbeeinträchtigung (LINK Wissenteil/ Intelligenz) als Ursache für die Probleme im Lesen und Schreiben in Frage kommt. Mit dem Lese- bzw. Rechtschreibtest wird ermittelt, wie groß die Probleme im Lesen und Schreiben im Vergleich zu gleichaltrigen Kindern sind. Da Rechenprobleme meist zusätzlich auftreten ist in diesem Fall sinnvoll, auch die Rechenfertigkeiten zu überprüfen. Liegen psychische Belastungen vor, wird die Ausprägung der Belastungen oft mit Fragebögen erfasst, die die Eltern und das Kind ausfüllen. Psychische Belastungen, wie z.B. Ängste, traurige und gedrückte Stimmung, körperliche Unruhe, Hyperaktivität werden im Rahmen der Untersuchung genauer betrachtet. Liegt eine psychische Belastung oder Erkrankung vor, sollte diese unbedingt in den Gesamtbehandlungsplan integriert werden.

 

Die Untersuchungen finden meist in mehreren Terminen statt, liegen Voruntersuchungen vor, insbesondere Dokumente aus der Schule über die Lernentwicklung, sollten diese unbedingt zur Untersuchung mitgebracht werden. Alle Ergebnisse werten die Fachkräfte aus und bewerten mit Ihnen gemeinsam die Befunde. Darauf aufbauend werden die Empfehlungen für die Förderung und Behandlung entwickelt.

 

Kostenübernahme der Untersuchung

Die Kosten der ärztlichen Untersuchung werden von der Krankenkasse übernommen. Bei der LRS handelt es sich um eine ICD-10 Diagnose, deren Feststellung von gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen wird.  Im Gegensatz dazu wird die Förderung im Bereich LRS nicht übernommen, jedoch die Kosten für die Behandlung der psychischen Erkrankungen, wie z.B. einer Angststörung oder Depression (z. B. ADHS, Depression, Angststörung).

Oftmals finden Untersuchung zur LRS im Rahmen einer Überprüfung nach Paragraph 35a des Sozialgesetzbuch VIII (LINK Wissenteil / § 35a SGB VIII) statt. Dabei wird geklärt, ob die Belastungen durch die LRS so groß sind, dass bei Ihrem Kind die „gesellschaftliche Teilhabe“ beeinträchtigt oder gefährdet ist. In dem Fall, greift die Eingliederungshilfe und die Kosten für Maßnahmen, zu denen oft die Lerntherapie gehört, werden von der Jugendhilfe nach einem Antragsverfahren übernommen.

Förderung außerhalb der Schule

Wenn die Förderung in der Schule nicht ausreicht, um die Schwierigkeiten Ihres Kindes im Lesen und Schreiben zu beheben, sollte eine Lerntherapie in Anspruch genommen werden.

 

Lerntherapie ist allerdings ein ungeschützter Begriff, sodass im Einzelfall geprüft werden sollte, ob die Förderung auch nach den empfohlenen Methoden der Leitlinie (LINK S3-Leitlinie) erfolgt. Dies ist für Eltern häufig nicht ganz einfach zu prüfen. Ein Hinweis dafür ist die Qualifizierung der Person, die die Förderung anbietet, ist das Vorliegen der Zertifikate des BVLs vor oder des FILs, ist dies bereits ein Qualitätsmerkmal.

Kennzeichen von empfohlener Förderung ist, dass sie systematisch aufgebaut ist und sich theoretisch an dem sogenannten Schriftspracherwerbsmodell (LINK Wissensteil Schriftspracherwerbsmodell) orientiert. Dies bedeutet, dass auf der Basis der individuellen Diagnostik Schritt für Schritt die einzelnen Entwicklungsstufen des Lesens und Rechtschreibens erarbeitet werden. Hierzu gehören Übungen, die die Lautunterscheidung fördern, die das Lesen durch Silbengliederung unterstützen, die die Verbindung von Buchstabe(n) und Lauten und umgekehrt systematisch fördern. Natürlich gehört auch das Lesen und Schreiben von Wörtern dazu, aber systematisch und nach wissenschaftlich geprüften Prinzipen.

 

Nicht effektiv bei einer LRS sind Förderungen, bei denen nicht explizit das Lesen und Rechtschreiben bzw. notwendige Vorläuferfertigkeiten, geübt werden. Dazu zählen vor allem Arbeitsgedächtnis- oder Konzentrationstrainings. Ebenso wenig helfen Programme, bei denen hauptsächlich die Wahrnehmung trainiert wird. Es gibt keine Medikamente oder homöopathische Behandlungen, die bewirken, dass Ihr Kind das Lesen und Schreiben lernt. Auch hilft Nachhilfe zwar bei kleineren Wissenslücken und Übungsmangel in Deutsch, nicht aber bei einer LRS.

Sie können mit einer nicht-effektiven Förderung einen unerwünschten Effekt auslösen. Wenn Ihr Kind mit den falschen Programmen übt oder mit Therapeuten arbeitet, die wenig über LRS wissen (häufig bei üblichen Nachhilfeangeboten), bleiben die Erfolgserlebnisse Ihres Kindes in der Schule aus. Es verliert nach und nach jedwede Lust auf weitere Förderung.

 

Der/die richtige Therapeut*in

Vielen Kindern mit LRS hilft nur eine Lerntherapie, die von einem/r qualifizierten Lerntherapeut*in durchgeführt wird. Der Begriff „Lerntherapeut*in“ ist jedoch nicht geschützt. Das heißt, Lerntherapeut*innen haben keine einheitliche Ausbildung und unterscheiden sich daher in ihrem Wissen und in ihrer Qualifikation. Geeignete Lerntherapeut*innen erfüllen zwei Bedingungen:

 

  1. Vorqualifikation: Lerntherapeut*innen sollten eine gute fachliche Vorqualifikation für den Bereich Lernentwicklung  und Lernstörungen bei Kinder und Jugendliche haben (z. B. Studium Psychologie, Lehramt, Pädagogik).
  2. Zertifizierte Weiterqualifikation: Lerntherapeut*innen sollten nachweisen, dass sie im Umgang mit Kindern mit LRS geschult sind. Der Bundesverband Legasthenie & Dyskalkulie e.V. (BVL) und Fachverband für integrative Lerntherapie e.V. (FiL) bieten beispielsweise Weiterbildungsgänge an. Ebenso gibt es Studiengänge zur Lerntherapie an Hochschulen.

 

Sie finden geeignete Lerntherapeut*innen auf den Websites des BVL und des FiL. Beide Verbände haben Standards für die Weiterbildung entwickelt.

Lerntherapeut*innen arbeiten entweder in eigener Praxis oder sie gehören einer Arbeitsgruppe bzw. einem Institut an, die es an verschiedenen Orten in Deutschland gibt. Eventuell haben diese Institute eigene Ausbildungsstandards für Lerntherapeut*innen.

Jugendämter haben oft einen Katalog, welche Kriterien eine Lerntherapeut*in erfüllen muss, damit sie die Therapiekosten. Übernehmen. Sie sollten die Therapeut*innenwahl vorab mit dem Jugendamt klären, wenn die Therapie im Rahmen der Eingliederungshilfe (LINK Wissenteil /§35a SGB VIII) stattfindet.

Dauer und Verlauf einer Lerntherapie

Eine Lerntherapie kann mehrere Jahre dauern.

In einer Lerntherapie gibt es immer Hochs und Tiefs. So zeigen sich bisweilen schnelle Lernfortschritte, die dann abgelöst werden von Phasen mit weniger Fortschritt. Parallel zur Lerntherapie findet noch der reguläre Deutschunterricht statt, in dem Ihr Kind mit schwierigen Inhalten konfrontiert wird. Frust und Unlust sind daher nicht unüblich. Therapeut*innen arbeiten mit Ihrem Kind oft auch schulische Geschehnisse auf. Für einen guten Verlauf einer Lerntherapie kommt es auch sehr auf die gute Beziehung zwischen Ihrem Kind und dem/der Therapeut*in an.

Kosten und finanzielle Unterstützung

Die Kosten für eine Lerntherapieeinheit sind sehr unterschiedlich; soweit bekannt liegen sie zwischen ca. 30 und 80 Euro. Üblich ist eine Fördereinheit pro Woche, wobei eine intensivere Förderung oft sehr hilfreich wäre. Die Kosten der Lerntherapie werden nicht von der Krankenkasse übernommen.

Es gibt zwei Möglichkeiten, damit Sie die Therapie nicht selbst zahlen müssen, die jedoch nur in manchen Fällen greifen:

 

1) Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII

Sie stellen beim Jugendamt einen Antrag auf Eingliederungshilfe gemäß § 35a SGB VIII. Sie müssen dann nachweisen, dass Ihr Kind wegen der Lese- und/oder Rechtschreibstörung (LRS) zusätzliche psychosoziale Belastungen (z. B. ausgeprägte emotionale Probleme infolge der Lernstörung) hat und deswegen im schulischen und persönlichen Alltag sehr eingeschränkt ist (z.B. Schulangst führt zu eingeschränktem Schulbesuch).

 

Das Jugendamt prüft auf der Basis der vorliegenden Befunde, ob folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Die seelische Gesundheit Ihres Kindes (z. B. emotionales Befinden) weicht seit mehr als sechs Monaten vom alterstypischen Zustand ab.
  • Die Teilhabe Ihres Kindes an der Gesellschaft ist dadurch bereits beeinträchtigt oder wird in Zukunft beeinträchtigt sein.

Antrag stellen

Info: So wird der Antrag gestellt

  • Sie setzen sich mit dem zuständigen Jugendamt in Verbindung und besorgen sich die notwendigen Formulare. Jedes Jugendamt hat hier ein eigenes Procedere. Eventuell ist bereits ein erstes Beratungsgespräch beim Jugendamt notwendig.
  • Es wird ein ärztliches Gutachten nach § 35 a SGB VIII erstellt. Das Gutachten wird von kinder- und jugendpsychiatrisch-psychologischen Fachkräften erstellt (siehe LINK ICD-10 Diagnose). In dem Gutachten wird festgestellt, dass die seelische Gesundheit und die Teilhabe Ihres Kindes an der Gesellschaft wegen der LRS beeinträchtigt ist.
    Manche Jugendämter erfordern zusätzlich den Nachweis der Schule , dass die schulische Förderung nicht ausreicht, um die Lese- und/oder  Rechtschreibschwierigkeiten des Kindes zu verbessern.
  • Der Antrag, das ärztliche Gutachten (und die Bestätigung der Schule) werden beim Jugendamt eingereicht. Eventuell ist hierfür ein Termin notwendig. Das Jugendamt prüft nun, ob die Voraussetzungen für Eingliederungshilfe erfüllt sind.
  • Sind die Voraussetzungen erfüllt, können die Kosten einer Lerntherapie übernommen werden. Sie erfahren vom Jugendamt, wie viele Lerntherapiestunden bewilligt werden. Auch werden Sie informiert, bei welchen Lerntherapeuten oder Instituten sie die Lerntherapie durchführen dürfen.

Wurde eine Lerntherapie durchgeführt, erfolgt erst eine Prüfung, ob eine weitere Lerntherapie notwendig ist:

  • Nach Abschluss des Bewilligungsumfangs der ersten Lerntherapie informiert der Lerntherapeut das Jugendamt über die durchgeführte Therapie und welche Verbesserungen erzielt wurden. Auch gibt der Lerntherapeut eine Einschätzung, ob eine weitere Förderung notwendig ist.
  • Bei einem Termin im Jugendamt bewerten die Jugendamtsmitarbeiter, ob sich der Gesamteindruck Ihres Kindes gebessert hat. Jedes Jugendamt hat hier eigene Vorgehensweisen. Manche Jugendämter sprechen nur mit Ihnen und Ihrem Kind. In anderen Jugendämtern ist auch nochmal eine ärztliches Gutachten nach § 35 a SGB VIII notwendig (siehe LINK ICD-10 Diagnose).
  • Hat sich die Gesamtsituation Ihres Kindes nicht gebessert, so werden vom Jugendamt zum Beispiel psychotherapeutische Behandlungen (z. B. Behandlung einer Angststörung, falls Ihr Kind spezifische Ängste vor dem Lesen und/oder Rechtschreiben zeigt) empfohlen. Das heißt, aus Sicht des Jugendamts verbessert eine Lerntherapie allein nicht die beeinträchtigte seelische Gesundheit und gesellschaftliche Teilhabe Ihres Kindes, weswegen andere Maßnahmen empfohlen werden.

2) Bildungs- und Teilhabepaket

Sie beantragen für Ihr Kind eine Lernförderung gemäß dem Bildungs- und Teilhabepaket. Sie weisen damit nach, dass der Lernfortschritt Ihres Kindes gefährdet ist, die Schule keine ausreichenden Fördermöglichkeiten hat und Sie selbst nicht genug Geld für eine zusätzliche Förderung verdienen.

 

Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein:

– Ihr Kind ist unter 25 Jahre alt und besucht eine allgemein- oder berufsbildende Schule. Es darf noch kein eigenes Einkommen (z. B. im Rahmen der Berufsausbildung) haben.

– Sie beziehen mindestens eine der folgenden Leistungen: Sozialhilfe, Arbeitslosengeld II (Hartz IV), Sozialgeld, Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, Wohngeld oder Kinderzuschlag.

Antrag stellen

Info: So wird der Antrag gestellt

  • Sie besorgen sich das Antragsformular von dem Amt, von dem sie Leistungen beziehen. Beziehen Sie Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld ist das Jobcenter zuständig. Beziehen Sie Sozialhilfe, Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, Wohngeld oder Kinderzuschlag ist das Sozialamt zuständig.
  • Gemeinsam mit der Schule wird der Antrag ausgefüllt. Die Schule muss zwei Dinge dabei bestätigen:
    1. Ihr Kind wird aufgrund der Lese- und/oder Rechtschreibstörung die wesentlichen Lernziele nicht erreichen. Eventuell ist auch die Versetzung in die nächste Klassenstufe nicht möglich.
    2. Weder die schulischen Förderangebote noch die kostenfreien Förderangebote außerhalb der Schule reichen aus, damit Ihr Kind die Lernziele erfüllt. Es hilft folglich nur eine Lerntherapie.
  • Sie recherchieren bereits eine geeignete Förderung. Sie suchen nach einer Praxis für Lerntherapie (LINK Handlungsteil Eltern LRS/Der richtige Therapeut) und ermitteln, was eine Fördereinheit dort kostet.
  • Der Antrag, die Bestätigung der Schule sowie sämtliche Informationen zur geplanten Lerntherapie werden eingereicht.
  • Wird der Antrag bewilligt, erhalten Sie einen Bildungsgutschein. Den Gutschein können Sie direkt dem Lerntherapeuten geben, wenn die Förderung beginnt. Der Lerntherapeut rechnet dann seine Stunden selbst mit dem Amt ab. Wird der Antrag nicht bewilligt, so lohnt es sich, Widerspruch einzulegen. Ämter bewilligen die Förderung oft nur, wenn die Versetzung in die nächste Klassenstufe bedroht ist. Mittlerweile wurde jedoch in einem Urteil festgestellt, dass es nicht ausschließlich um die Versetzung geht, sondern dass Kinder ganz allgemein ausreichend gut lesen und rechtschreiben können.

Umgang mit Begleiterscheinungen (Komorbiditäten)

Komorbiditäten und zusätzliche Belastungen stellen eine enorme Herausforderung für Ihr Kind und Sie dar.

 

Liegt zusätzlich eine Rechenstörung vor:

Lese- und/oder Rechtschreibstörung und Rechenstörung werden von Schulbehörden nicht als gleichwertig eingestuft. Für eine Rechenstörung gibt es erfahrungsgemäß weniger Förderangebote, auch erhalten Kinder in der Schule weniger Unterstützung. Nichtsdestotrotz sollten Sie bei einer Rechenstörung Unterstützung in Schule und bei Vorliegen einer Teilhabebeeinträchtigung beim Jugendamt beantragen. Die Schritte sind die gleichen wie bei einer LRS.

Falls eine Finanzierung durch das Jugendamt vorliegt, wird die Anzahl an Lerntherapiestunden nicht automatisch erhöht, wenn zusätzlich eine Rechenstörung vorliegt. Es wird meist pauschal eine Anzahl an Therapiestunden genehmigt, die dann zwischen der LRS und Rechenstörung aufzuteilen ist.

 

Liegen zusätzlich eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) oder andere Störungen vor (z. B. Angststörung):

Für die therapeutische Behandlung psychischer Störungen übernimmt die Krankenkasse die Behandlungskosten. Abzuklären ist in diesem Zusammenhang, ob weitere Störungen aufgrund der LRS entstanden sind oder davon unabhängig sind. Eine ADHS ist beispielsweise eher unabhängig von der LRS. Anders verhält es sich, wenn Ihr Kind mit einer LRS starke Angstsymptome in Bezug auf Deutschinhalte und den Deutschunterricht entwickelt, was sich zu einer allgemeinen Schul- und Prüfungsangst weiterentwickeln kann.

 

Förderschwerpunkte setzen:

Hat ein Kind mehrere Probleme, so ist es sinnvoll, wenn Lehrkräfte in Absprache mit dem Lerntherapeuten klare Förderschwerpunkte setzen. Entscheidend ist dabei immer, was das Kind am meisten braucht und wo eventuell schulische Unterstützung ausreicht.

Das wichtigste Ziel einer Förderung ist daher: Ihr Kind soll einerseits nicht zurückbleiben aber andererseits nicht die Freude an der Schule verlieren. Sie sollen daher nicht versuchen, alles gleichzeitig zu verbessern, nur damit gute Noten erzielt werden. Ihr Kind hat nur begrenzte Ressourcen und verweigert möglicherweise bei zu viel Förderung jede weitere Therapie.

Hat Ihr Kind neben einer LRS auch noch eine Rechenstörung, so sollte im besten Falle beides in gleichem Umfang in einer Lerntherapie gefördert werden. Am besten findet eine solche Lerntherapie auch dem/der gleichen Therapeut*in statt. Da eine gute Lesekompetenz auch für das Rechnen wichtig ist, profitiert Ihr Kind von einer kombinierten Lerntherapie. Vermeiden Sie daher im besten Falle auch Kombinationen wie „Lerntherapie für die LRS“ und „Nachhilfe für die Rechenstörung“.

Liegen bei Ihrem Kind neben der LRS noch emotionale Belastungen oder eine ADHS vor, so wägen Sie gemeinsam mit Lehrkraft, Lerntherapeut*in und dem behandelnden Arzt ab, wo derzeit der Förderschwerpunkt zu setzen ist. Dies ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Bei manchen Kindern ist die ADHS so stark ausgeprägt, dass diese erste behandelt werden muss, bevor überhaupt mit der Lerntherapie begonnen werden kann. Andere Kinder profitieren von einer kombinierten Therapie.

Die Rolle der Eltern

Hat Ihr Kind eine Lese- und/oder Rechtschreibstörung (LRS), können Sie Ihr Kind unterstützen und ihm helfen.

  1. Kind emotional stützen und begleiten: Sie bauen Ihr Kind bei schlechten Noten und Misserfolgen auf. Ebenso loben Sie Ihr Kind bei noch so kleinen (und hart erarbeiteten) Lernerfolgen und motivieren es, weiter zu lernen. Ihr Kind sollte, trotz schlechter Noten, LRS und Lerntherapie nicht die Lust am Lernen und den Spaß in der Schule verlieren. Das Thema „Lesen und Rechtschreiben“ wird wahrscheinlich zu Hause eine wichtige Rolle spielen, jedoch soll sich der Alltag nicht nur darum drehen. Zeigen Sie Ihrem Kind, dass es viele Sachen abseits des Deutschunterrichts gibt, die es mühelos kann oder wo es Dinge genauso schnell oder schneller lernt als andere. Hobbys, die Ihr Kind begeistern, sind dafür sehr gut und sollten von Ihnen bestmöglich unterstützt werden. Ihr Kind bekommt so das Gefühl, etwas erreichen zu können (LINK Wissensteil/SELBSTWERT). Das wiederum wirkt sich positiv auf die Schule und die Lerntherapie aus.
  2. Zwischen Schule und Lerntherapeut*in (und evtl. Jugendamt) vermitteln: Der Austausch zwischen diesen Parteien ist wichtig. Sie können hier als Schnittstelle alle darüber informieren, welche Probleme Ihr Kind derzeit hat, welche Förderung es erhält und welche Fortschritte es zeigt.

Informieren und Vernetzen

Sie können sich beim Bundesverband Legasthenie & Dyskalkulie e.V. (BVL) beraten lassen. Der BVL ist ein Verband für Eltern und Betroffene. Er informiert über LRS sowie Rechenstörung und berät bei der Durchsetzung von Fördermaßnahmen. Gleichzeitig können sich Betroffene so vernetzen.

Zusätzliche Förderung zu Hause

Erhält Ihr Kind eine Lerntherapie und gegebenenfalls noch eine Förderung in der Schule, so sollten Sie von weiterer Förderung zu Hause absehen (regelmäßiges kurzes gemeinsames Lesen hingegen ist hier nicht gemeint).

Oft möchten sich Eltern ebenfalls an der Förderung beteiligen und Ihrem Kind damit helfen. Jedoch ist dies nicht immer ratsam. Zum einen haben die meisten Eltern nicht das Fachwissen, um eine Förderung effektiv zu gestalten. Zum anderen herrscht zwischen Eltern und Kind nicht die für die Wirksamkeit der Förderung erforderliche professionelle Distanz. Lernprobleme können so schnell in Streit übergehen und das Familienleben unnötig belasten. Auch darf nie vergessen werden: Kinder sollen auch Kinder sein. Sie sollen spielen, Spaß haben und Neues entdecken. Vor allem brauchen sie auch Pausen und können nicht so viel Leistung abrufen wie Erwachsene. Schaffen Sie daher für ihr Kind den Raum sich zu erholen und Kraft zu tanken.

Eine Ausnahme ist selbstverständlich, wenn Ihr Kind von sich aus mitteilt, dass es zu Hause noch etwas üben möchte und Sie ausreichend Zeit und Ressourcen dafür haben. Hierfür gibt es Förderprogramme, die Eltern anleiten, zuhause ihr Kind zu fördern (Link Förderprogramme für zuhause). Es gibt in den letzten Jahren sehr gut konzipierte Lese- und Rechtschreibförderprogramme, deren Wirksamkeit nachgewiesen ist, und die ihr Kind zuhause allein am PC oder Tablet durchführen kann. Eine Übersicht gibt es hier (LINK Wissenteil/Übersicht computerbasierte Förderprogramme LRS).

 

Weitere Informationen darüber, wie Sie Ihr Kind unterstützen können und auch dazu, wie Sie dabei auf sich selbst achten können, finden Sie hier im Elterncoaching.