Glossar

Lernschwierigkeiten umfassen alle Schwierigkeiten beim Erwerb akademischer Kompetenzen, unabhängig von Dauer und Intensität. Unter besonderen Lernschwierigkeiten werden solche verstanden, die trotz der üblichen schulischen Maßnahmen zur individuellen Förderung langanhaltend sind. Sie werden von den Lehrkräften festgestellt. Lernstörungen werden durch entsprechend ausgebildete Experten diagnostiziert (z.B. aus den Bereichen Schulpsychologie, Sonderpädagogik, Kinder- und Jugendlichenpsychiatrie).
Die Anamnese bezeichnet in der Medizin das Erfassen der Krankheitsvorgeschichte. Im Falle einer Lese-, Rechtschreib- oder Rechenstörung wird bspw. mit den Eltern (und je nach Alter auch dem Kind/Jugendlichen) u.a. darüber gesprochen, ob es Auffälligkeiten in der Entwicklung gab, wann erste Schwierigkeiten im betroffenen Bereich auftraten und wie die Schullaufbahn bisher verlief.
Bei ADS handelt es sich um ein ähnliches Erscheinungsbild wie bei der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Im Unterschied zu dieser ist ADS jedoch nicht mit motorischer Unruhe und Hyperaktivität verbunden.
Die Grundmerkmale von ADHS sind Unaufmerksamkeit, unruhiges Verhalten und Impulsivität. Das Störungsbild kann vielseitige Auswirkungen auf den Alltag betroffener Menschen haben. Häufig lassen sie sich schnell durch Kleinigkeiten ablenken und zeigen wenig Ausdauer bei länger dauernden Aufgaben. Zudem neigen sie häufig zu Flüchtigkeitsfehlern und sind vergesslich. Impulsivität drückt sich in einem Streben nach sofortiger Aufmerksamkeit und Bedürfnisbefriedigung aus. Genannte Verhaltensweisen können Anzeichen für ADHS/ADS sein, ersetzten jedoch keine Diagnose.
Erlernt ein Kind innerhalb der ersten drei Lebensjahre zwei oder mehr Sprachen (in Grundzügen), so nennt man dies Bilingualität oder auch doppelten Erstspracherwerb. Häufig kommt dies bei gemischtsprachigen oder binationalen Ehen vor oder wenn die Familiensprache eine andere als die Umgebungssprache ist. Bilingualität ist eine Form von Mehrsprachigkeit und ist abzugrenzen von Deutsch als Zweitsprache.
Der Begriff Binnendifferenzierung bezieht sich auf Maßnahmen innerhalb des Unterrichts, mit denen Kinder mit unterschiedlichen Lernständen individuell gefördert werden sollen. Die individuelle Förderung wird umgesetzt, indem das Unterrichtsmaterial an den Kompetenz- bzw. Lernstand des Kindes angepasst wird. Dabei wird versucht, Kompetenzlücken schrittweise zu schließen. Der gewählte Schweregrad sollte dabei vom Kind gerade noch zu bewältigen sein, um Erfolgserlebnisse zu ermöglichen. Maßnahmen dieser Art sind bei Vorliegen einer Lernstörung wie Lese- Rechtschreibstörung oder Rechenstörung allerdings nicht ausreichend.
Der aus einer Elterninitiative entstandene Verband vertritt die Interessen von Menschen mit Lese-Rechtschreibschwäche und Rechenschwäche, insbesondere aber mit Lese- Rechtschreibstörung (Legasthenie) und Rechenstörung (Dyskalkulie). Der Verband leistet Öffentlichkeitsarbeit und bietet Informationen und Hilfe für betroffene Menschen.
Von Deutsch als Zweitsprache (DaZ) spricht man, wenn die deutsche Sprache erst nach dem 3. Geburtstag erlernt wird, d.h. nachdem in der Regel bereits eine Erstsprache in Grundzügen erworben wurde. Der Erwerb erfolgt ungesteuert (also bspw. nicht im Rahmen eines Fremdsprachenunterrichts) in einer deutschsprachigen Umgebung. In der Regel wird in den Familien von Kindern mit DaZ nicht Deutsch gesprochen. DaZ ist eine Form von Mehrsprachigkeit und ist abzugrenzen von Bilingualität.
Diagnostik verfolgt das Ziel, Merkmale von Personen gezielt zu untersuchen, um eine Fragestellung zu beantworten. Dazu werden gezielt Informationen gesammelt und verarbeitet. Die Diagnostik zur Feststellung, ob eine Entwicklungsstörung schulischer Fertigkeiten vorliegt, basiert auf standardisierten und normierten Testverfahren, die ein Abschätzen des erreichten Kompetenzniveaus in schulische Leistungsbereichen (Lesen, Rechtschreibung, Mathematik). Die Ergebnisse sollten für alle Beteiligten transparent und nachvollziehbar sein.
Die Eingliederungshilfe soll Menschen mit besonderen Beeinträchtigungen, wie beispielsweise Lernstörungen, helfen, ein gleichberechtigtes und eigenständiges Leben zu führen und an der Gesellschaft teilhaben zu können. Benachteiligungen soll damit entgegengewirkt werden. Die Gewährung von Eingliederungshilfe wird durch das Sozialgesetzbuch und durch das Grundgesetz geregelt. Der Bedarf zur Eingliederungshilfe und der Umfang der Leistungen werden individuell geprüft. Für Informationen und Beratungen dazu ist das Jugendamt zuständig.
Lesen und Schreiben setzen sich aus einem Bündel von Teilfertigkeiten zusammen. Der Erwerb einiger dieser Teilfertigkeiten beginnt weit vor dem Schulbeginn und durchläuft einen mehrstufigen Entwicklungsprozess. Es gibt verschiedene wissenschaftliche Modelle, um diesen Entwicklungsprozess zu beschreiben, z.B. das Stufenmodell des Leseerwerbs nach Frith. Die Entwicklungsmodelle helfen dabei, den individuellen Entwicklungsstand eines Kindes einzuordnen und können Grundlage für eine passende Förderung sein.
Rechnen ist eine komplexe geistige Tätigkeit, die sich aus verschiedenen Teilfertigkeiten zusammensetzt. Die basisnumerischen Kompetenzen entwickeln sich bereits im frühesten Kindesalter. Für die Entwicklung mathematischer Fertigkeiten liegen verschiedene Entwicklungsmodelle vor, z.B.  Entwicklungsmodell der Zahl-Größen-Verknüpfung (ZGV-Modell) von Krajewski. Die Entwicklungsmodelle helfen dabei, den individuellen Entwicklungsstand eines Kindes einzuordnen und können Grundlage für eine passende Förderung sein.
Evaluation bezeichnet die systematische Untersuchung einer Maßnahme mit dem Ziel einer Bewertung. Dabei werden nach wissenschaftlichen Standards Daten erhoben und ausgewertet. Auf diese Weise kann man etwa ein Förderprogramm für Kinder mit Lernschwierigkeiten bewerten.
Die fachliche und berufsständische Vertretung der Lerntherapeuti*nnen (Dyslexie- und Dyskalkulietherapeut*innen) setzt sich für eine qualitativ hochwertige Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Lernstörungen ein. Zusätzlich arbeitet der Verband an der Weiterentwicklung der integrativen Lerntherapie.
Mit einer förderbezogenen/förderrelevante Diagnostik soll der konkrete Bedarf an individueller Förderung für ein Kind festgestellt werden. Dazu werden seine Stärken und Schwächen beschrieben und die bestmögliche Art und Weise der Förderung bestimmt.
Ein Förderplan ist ein schriftlicher Plan zur gezielten Förderung von Schüler*innen mit besonderen Lernschwierigkeiten. Im Mittelpunkt steht das Kind und sein individueller Förderbedarf. Förderpläne sind das zentrale institutionelle Instrument für die innerschulische individuelle Förderung. Verantwortlich für die Erstellung von Förderplänen ist die Schule bzw. die Klassenlehrerin oder der Klassenlehrer. In den meisten Bundesländern wird empfohlen, die Beratungskompetenzen der Förderschule oder sonstiger sonderpädagogischer Einrichtungen mit einzubeziehen. In der Regel sollen Förderpläne halbjährlich im Voraus erstellt werden mit Aussagen zum aktuellen Entwicklungsstand des betroffenen Schulkindes und zum individuellen Förderbedarf. Dabei sind Maßnahmen festzulegen, begleitend zur Umsetzung zu dokumentieren und zu evaluieren. Auch die Eltern sollten über die Förderplanung informiert sein und gegebenenfalls in die Förderbegleitung einbezogen werden. Falls ein Kind, zusätzlich zu der innerschulischen individuellen Förderung, auch außerschulische Unterstützung bekommt (z.B. Lerntherapie), sollte es zu einer Abstimmung der Fördermaßnahmen mit dem/der Therapeut/in kommen.
Die Graphem – Phonem – Zuordnung, oder auch Laut – Buchstaben – Zuordnung, bezeichnet die Fähigkeit des Erkennens der Beziehung zwischen geschriebener und gesprochener Sprache.
ICD-10 ist die Abkürzung für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegebene 10. Revision der „Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme“. Darin werden alle körperlichen Krankheiten und psychischen Störungen mit evidenzbasierten Kriterien zur Diagnostik beschrieben. Jeder Eintrag wird mit einem Code versehen. Der Code für die Lese- und Rechtschreibstörung lautet z.B. F81.0. Die nächste Revision (ICD-11) soll in Deutschland zum Januar 2022 in Kraft treten.
Die integrative Lerntherapie ist eine Therapie zur Behandlung von Lernstörungen. Geleitet durch einen Diagnose- und Therapieplan soll die Lernstörung und auftretende Begleiterscheinungen, wie seelische Belastungen, behandelt werden. Dabei steht die Entwicklung positiver Lernerfahrungen im Mittelpunkt. Durch einen neuen Zugang zur Schriftsprache und/oder Mathematik soll das Kind Selbstvertrauen in seine Fähigkeiten gewinnen.
Intelligenztests sind standardisierte und normierte Verfahren, mit denen die Intelligenz einer Person, d.h. ihre allgemeine mentale Leistungsfähigkeit, festgestellt werden kann. Die Normierung von Intelligenztests überfolgt über den Intelligenzquotienten (IQ). Ein IQ von 100 entspricht einer durchschnittlichen allgemeinen mentalen Leistungsfähigkeit im Vergleich zu den Gleichaltrigen.
Unter Komorbiditäten versteht man das gemeinsame bzw. gleichzeitige Auftreten verschiedener Störungen bei einer Person. Bei Kindern und Jugendlichen mit Lernstörung treten überzufällig häufig weitere Störungen, so genannte Komorbiditäten, auf. Zu den typischen bekannten Komorbiditäten gehört etwa das gleichzeitige Auftreten von Lernstörungen und einer ADHS/ADS. Laut Studien sind bis zu 50% der Kinder mit einer schulischen Entwicklungsstörung (Lese-, Rechtschreib-, Lese- und Rechtschreibstörung, Rechenstörung) von einer komorbid auftretenden psychischen Störung (ADHS, Angststörung, depressive Episode, Störung des Sozialverhaltens) betroffen. Auch dann, wenn die psychischen Symptome nicht das vollständige Störungsbild nach ICD-10 erfüllen, können sie starke Auswirkungen auf die psycho-soziale Entwicklung haben. Auf Grund des häufigen Auftretens empfehlen die Leitlinien, dass das Vorhandensein von Komorbiditäten bei der Diagnostik einer Lernstörung immer mit untersucht werden sollte (LINK Leitlinien). Liegen Komorbiditäten vor, ist die Prognose der Lernstörung schlechter und der Förderbedarf ist erhöht. Auch die Umsetzung der Lerntherapie muss u.U. bei bestehender Komorbidität angepasst werden: Liegt bspw. eine ADHS (LINK WISSENSTEIL ADHS) oder emotionale Störung vor, muss ein/e Lerntherapeut*in die psychische Symptomatik besonders beachten und die psychische Komorbidität im Behandlungsplan berücksichtigen, um erfolgreich mit dem Kind/Jugendlichen arbeiten zu können
Ein Konsonant ist ein Mitlaut, wie z. B. b, f, k der zusammen mit einem Vokal (a, e, i, o, u) klingt. Zu den Konsonanten zählen alle Buchstaben außer den Vokalen
Eine Lerntherapie kann als außerschulische Maßnahme sinnvoll sein, um schulische Förderung zu ergänzen. Vor allem Kinder mit einer Lernstörung bzw. einer umschriebenen Entwicklungsstörung schulischer Fertigkeiten profitieren oftmals von einer Lerntherapie. In der Therapie werden auch individuelle Strategien entwickelt, um mit den Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten oder Rechenschwierigkeiten umzugehen. Lerntherapien werden von Lerntherapeut*innen mit entsprechend zertifizierter Qualifikation angeboten.
Unter Lernverlaufsdiagnostik versteht man eine regelmäßige standardisierte Überprüfung des erreichten Lernstandes von Kindern. Sie dient der Untersuchung der Lernfortschritte von Kindern. Lehrkräfte können aus den Ergebnissen Rückschlüsse über die Wirksamkeit ihrer durchgeführten Fördermaßnahmen ziehen und diese ggf. anpassen. Um den Aufwand zu begrenzen werden meist kurze Testverfahren eingesetzt.
Eine Lesestörung und eine Rechtschreibstörung treten sehr häufig gemeinsam auf. In diesem Fall spricht man von einer Lese-Rechtschreibstörung.
Anhaltende und ausgeprägte Schwierigkeiten im Erlernen des Lesens werden als Lesestörung bezeichnet. Die Lesestörung äußert sich in der Regel durch sehr viele Fehler beim lauten Vorlesen sowie durch eine deutlich herabgesetzte Lesegeschwindigkeit. Das Leseverständnis ist beeinträchtigt, was sich z.B. auch beim Lesen von Textaufgaben oder Sachtexten zeigt.
Das multiaxiale Klassifikationssystem für psychische Störungen des Kindes- und Jugendalters ist eine Erweiterung der ICD-10 (LINK ICD-10)-Klassifikation psychischer Störungen. Durch ein sechsachsiges System wird ein umfassendes Bild des Kindes/Jugendlichen möglich. Die erste Achse umfasst dabei das klinisch-psychiatrische Syndrom, die zweite bezieht sich auf die umschriebenen Entwicklungsrückstände, die dritte auf das Intelligenzniveau, die vierte auf die körperliche Symptomatik, die fünfte auf abnorme assoziierte psychosoziale Umstände und die sechste auf das Niveau der sozialen Anpassung.
Die Mathematikangst ist gekennzeichnet durch Gefühle der Angst und Anspannung in Bezug auf die Handhabung von Zahlen und das Lösen von mathematischen Problemen. Sie tritt sowohl bei Schulaufgaben, als auch bei alltäglichen Aufgaben auf.
Mehrsprachigkeit ist die Fähigkeit, mehr als eine Sprache zu sprechen und/oder zu verstehen. Es gibt verschiedene Formen von Mehrsprachigkeit, z.B. Bilingualität oder durch Zweitspracherwerb oder Fremdspracherwerb.
Eine Person hat einen Migrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren wurde (Statistisches Bundesamt (Destatis), 2021). Der Migrationshintergrund sagt nichts über den Spracherwerbshintergrund einer Person aus.
Ein Nachteilsausgleich soll Nachteile, die für Schüler*innen aufgrund einer Lernstörung entstehen, ausgleichen. Die ausgleichenden Maßnahmen können in Prüfungs- und Leistungssituationen sowie in Lernsituationen angewendet werden. Sie umfassen methodisch-didaktische Hilfen, technische Hilfsmittel und besondere Bedingungen der Leistungserbringung. Dabei können je nach Bedarf des Kindes verschiedene Maßnahmen, wie beispielsweise eine längere Bearbeitungszeit oder eine stärkere Gewichtung der mündlichen Note, umgesetzt werden. Der Einsatz des Nachteilsausgleichs bedarf in der Regel die Zustimmung der Klassenkonferenz und Schulleitung.
Damit die Testleistung eines Kindes in den schulischen Kompetenzen Lesen, Rechtschreiben oder Rechnen eingeordnet werden kann, wird sie üblicherweise in das Verhältnis zur Testleistung anderer Kinder gesetzt werden, die z. B. gleich alt sind oder die gleiche Klassenstufe besuchen. Eine Schülerstichprobe ist dann ein guter Vergleichsmaßstab für z. B. die Rechtschreibleistung der Gruppe der Viertklässler, wenn die Rechtschreibleistung dieser Stichprobe normalverteilt ist. Anhand einer solchen Normstichprobe wird der Mittelwert sowie ein Maß für die Streuung für z. B. die Rechtschreibleistung in der 4. Klasse bestimmt. Auf der Grundlage dieser Normierung kann z. B. die individuelle  Rechtschreibleistung eines Kindes der vierten Klasse im Vergleich zu anderen Kindern seiner Klassenstufe standardisiert eingeordnet und interpretiert werden.
Unter Notenschutz versteht man das Aussetzen der Benotung in einem Fach, indem Schüler*innen aufgrund ihrer Lernstörung kein ausreichendes Leistungsniveau erzielen können. Die Anwendung des Notenschutzes unterliegt strengen Auflagen. So ist für das Gewähren die Diagnose einer umschriebenen Entwicklungsstörung schulischer Fertigkeiten in vielen Bundesländern grundlegende Voraussetzung. In einigen Bundesländern wird der Einsatz des Notenschutzes in der Sekundarstufe II ausgeschlossen. Maßnahmen des Notenschutzes müssen von der Schulleitung genehmigt werden, in den meisten Bundesländern zusätzlich durch die zuständige Schulaufsichtsbehörde.
Wenn ein Test die Schulleistungen misst unabhängig von der Person, die den Test anleitet, durchführt oder auswertet, ist der Test objektiv.
Bei Paragraph 35a SGB VIII handelt es sich um ein Gesetz zur Eingliederungshilfe für Kinder und Jugendliche mit seelischer Behinderung. Festgelegt wird in diesem Paragraphen, unter welchen Voraussetzungen Kinder und Jugendliche ein Recht auf Eingliederungshilfe haben und in welchen Formen die Hilfe stattfinden kann.
Die Phonologie ist die Wissenschaft, die sich mit der Verwendung von Lauten in der Sprache beschäftigt. Sie beschäftigt sich damit wie die menschliche Fähigkeit Laute zu bilden in den verschiedenen Sprachen genutzt wird.
Unter phonologischer Bewusstheit versteht man das Wissen, dass Wörter aus Silben und Silben aus Lauten aufgebaut sind. Losgelöst vom Inhalt eines gesprochenen Satzes lassen sich damit Wörter zerlegen oder neu zusammensetzen. Interventionen zur phonologischen Bewusstheit beinhalten u.a. das Zählen von Lauten in Wörtern und das Erkennen von Reimen.
Ergebnisse von Schulleistungstests können durch unterschiedliche Vergleichsmaße eingeordnet werden, wie z. B. durch einen Prozentrang. Der Prozentrang hat einen Wertebereich zwischen 0 bis 100. Er gibt an, wie viele Kinder einer Klassen- oder Altersstufe ein Testergebnis erreichen, das niedriger oder genauso hoch ist, wie das Testergebnis eines getesteten Kindes. Erreicht z. B. ein getestetes Kind in Klasse 3 im Rechentest einen Prozentrang von 70 heißt das, das 70% aller Kinder der Klassenstufe 3 genauso gut oder schlechter waren als das getestet Kind. 30% der Kinder der 3. Klassenstufe waren vergleichsweise besser.
Als Pseudowort bezeichnet man eine Schreibweise oder Aussprache, die keinem existierenden Schrift- oder Sprechwort entspricht. Ein Pseudowort könnte zum Beispiel so aussehen: „Bihm“.
Eine Rechenstörung bezeichnet ausgeprägte, kontinuierliche Schwierigkeiten beim Erlernen des Rechnens. Sie betrifft meist vor allem die Beherrschung grundlegender Rechenfertigkeiten wie Umgang mit Zahlen, Mengen, Grundrechenarten und weniger höhere mathematische Fertigkeiten.
Anhaltende und ausgeprägte Schwierigkeiten im Erlernen des Rechtschreibens werden als Rechtschreibstörung bezeichnet. Die Rechtschreibstörung zeigt sich vor allem durch eine Vielzahl von Rechtschreibfehlern. Teilweise schreiben Betroffene dasselbe Wort in einem Text mehrfach unterschiedlich falsch, oft werden auch nur so genannte Wortruinen aufgeschrieben.

Die Reliabilität gibt Auskunft über die Zuverlässigkeit eines Tests. Ein Schulleistungstest ist umso zuverlässiger oder reliabel, je weniger zufällige Fehler bei seinem Einsatz auftreten.

Bei Schulleistungstests entspricht der Rohwert der Punktanzahl aller richtig gelösten Testaufgaben. Dieser Rohwert gibt jedoch keine Auskunft darüber, wie die erreichte Punktanzahl einzuordnen ist. Daher wird ein Vergleichsmaßstab benötigt. Dazu dient üblicherweise der Vergleich mit Rohwerten aus einer Referenzgruppe. Erreicht z. B. ein Kind im Schulleistungstest einen Rohwert von 80 sagt das noch nichts aus, solange nicht bekannt ist, wieviele Aufgaben Kinder der gleichen Alters- oder Klassenstufe normalerweise lösen. So könnte es z. B. „normal“ sein, dass Kinder einer Klassenstufe einen Rohwert von 80 im Lesetest erzielen. Vor diesem Hintergrund wäre der Testrohwert 100 eines Kindes eine vergleichsweise gute Leistung.

Die Schulangst umfasst verschiedene Ängste, die mit dem Schulbesuch in Verbindung stehen. Diese Ängste können sich auf Bedingungen, Personen oder bestimmte Situationen beziehen, die mit dem Schulbesuch einhergehen. Die Leistungsangst beschreibt hierbei im speziellen die Angst vor leistungsgezogenen Aspekten des Schulbesuches, wie z.B. Abfragen und Klausuren.
Schulleistungstests sind Testverfahren mit engem Bezug zu den Lehrplänen bzw. Bildungsstandards eines Schulfaches. Damit sollen die individuell erreichten Ergebnisse von Lernprozessen überprüft und eingeordnet werden. Sehr häufig kommen Schulleistungstests für Deutsch (Lesen und Schreiben) sowie für Mathematik (Rechnen) zum Einsatz.
Der Schulpsychologische Dienst bietet Unterstützung für Schulen, Lehrkräfte, Eltern und Schüler*innen bei vielfältigen Fragestellungen. Dies umfasst auch die Beratung und Hilfe bei Lernschwierigkeiten. Die Beratung ist freiwillig, vertraulich und kostenfrei.
Unter Screening versteht ein ökonomisch einsetzbares, standardisiertes und normiertes Diagnoseverfahren zur Erfassung von Personenmerkmalen. Im Bereich der Lernstörungen sind Screenings zur Abschätzung des allgemeinen Leistungsstandes in den Bereichen Lesen, Rechtschreiben und Rechnen verbreitet. Screenings haben den Vorteil der Ökonomie in der Durchführung. Sie liefern allerdings nur einen ersten Hinweis, ob bei Schüler*innen ein gravierendes Defizit im erfassten Merkmalsbereich vorliegt. Ein Screening ersetzt nicht die ausführliche Diagnostik, etwa bei Verdacht auf Vorliegen einer Lernstörung.
Als Selbstwert oder Selbstwertschätzung bezeichnet man die Wertschätzung gegenüber der eigenen Person. Diese basiert auf der Bewertung des Bildes, das eine Person von sich selbst hat. Der Selbstwert einer Person hängt häufig mit dem psychischen Wohlbefinden zusammen.
Sozialpädiatrische Zentren sind Einrichtungen, in denen Kinder und Jugendliche fachlich-medizinisch untersucht, betreut und ggf. ambulant behandelt werden. Sie bieten Hilfe und Unterstützung bei verschiedenen Krankheits- und Störungsbildern, die eine Beeinträchtigung der Entwicklung zur Folge haben können. Die Überweisung in ein Sozialpädiatrisches Zentrum erfolgt i.d.R. durch Ärzt*innen der Kinder- und Jugendmedizin.
Der Spracherwerbshintergrund sind alle Merkmale des Spracherwerbs, wie z.B. ob und welche Sprache(n) ein Kind seit der Geburt erlernt hat, ab welchem Alter ggf. eine weitere Sprache erworben wurde und welche Sprache(n) in der Familie gesprochen wird/werden (vergleiche Mehrsprachigkeit, Bilingualität, Deutsch als Zweitsprache).
Bei einer Sprachstandsdiagnostik wird durch eine Fachperson mit standardisierten Testverfahren der aktuelle Sprachentwicklungsstand eines Kindes festgestellt. In der Regel wird dabei der aktuelle Stand in der expressiven und rezeptiven Sprache (Verständnis und gesprochene Sprache) sowohl im Wortschatz als auch in der Grammatik erfasst.
Ergebnisse von Schulleistungstests können durch unterschiedliche Normwerte angegeben werden. Ein üblicher Normwert ist der T-Wert. Ein T-Wert kann Werte von 0 bis 100 annehmen. Der Mittelwert eines T-Wertes liegt bei 50 (siehe Grafikbeispiel). Erreicht z. B. ein Kind der 3. Klasse in einem Lesetest einen T-Wert unter 40, dann kann die Leistung als unterdurchschnittlich interpretiert werden.
Unter Testfairness versteht man, dass ein Test „fair“ misst, indem Personen nicht aufgrund der Zugehörigkeit einer bestimmten (Sprach-)Gruppe über- oder unterschätzt werden. Dabei ist es nicht ausschlaggebend, ob es zwischen Gruppen echte Leistungsunterschiede gibt, sondern ob das Testverfahren im Falle gleicher Fähigkeiten zu gleichen Ergebnissen führt.
Unter einem Testverfahren wird ein systematisches und routinemäßig einsetzbares Verfahren verstanden, das zur Messung definierter Ausschnitte menschlichen Verhaltens eingesetzt wird. Diese Messung wird verwendet, um den Grad der Ausprägung einer so genannten Eigenschaft, Fähigkeit oder Fertigkeit festzustellen und/oder um ein zukünftiges Verhalten vorherzusagen. Die LONDI-Plattform enthält Testverfahren, die die schulischen Kompetenzbereiche im Lesen, Rechtschreiben und Rechnen erfassen.
Ein Test z. B. für das Leseverständnis ist dann valide oder gültig, wenn dieser Test tatsächlich das Verständnis im Lesen misst und nicht z.B. die Lesegeschwindigkeit.
Ein Vokal ist ein Selbstlaut. Die Buchstaben a, e, i, o, u sind Vokale. Vor und nach einem Vokal stehen meist Mitlaute, die Konsonanten.
Als Vorläuferfertigkeiten oder Basiskompetenzen werden diejenigen Fertigkeiten bezeichnet, die ein Kind bereits bei der Einschulung mitbringt. Dazu gehören ausreichende fein- und grobmotorische Fähigkeiten, eine gute visuelle und auditive Wahrnehmung sowie z. B. die phonologische Bewusstheit als Vorläuferfähigkeit für den Erwerb des Lesens und Rechtschreibens.
Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit Sitz in Genf. Sie soll die weltweiten Anstrengungen auf dem Gebiet des Gesundheitswesens lenken und koordinieren. Erklärtes Ziel der Weltgesundheitsorganisation - kurz WHO - ist es, allen Menschen den bestmöglichen Gesundheitszustand zu ermöglichen. Gesundheit im Sinne der WHO ist der Zustand eines vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens.