© August de Richelieu

Zu Hause

Was kann Ihnen dabei helfen, mit Ihrem Kind darüber zu sprechen, dass ihm Lesen, Schreiben und/oder Rechnen schwerer fällt als anderen Kindern?

 

  • Sprechen Sie offen mit Ihrem Kind über seine Lernschwierigkeiten
  • Erklären Sie Ihrem Kind, dass es mithilfe zusätzlicher Unterstützung lernen kann, mit den Schwierigkeiten umzugehen
  • Erklären Sie, dass die Schwierigkeiten nicht mit der Intelligenz zusammenhängen
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind über sein Stärken, z.B. im Fußballspielen oder Zeichnen
  • Suchen Sie Positivbeispiele für Menschen mit Legasthenie/Dyskalkulie, z. B. berühmte Leute wie Albert Einstein, der eine Lese-Rechtschreibstörung hatte
  • Überlegen Sie mit Ihrem Kind, wie Sie als Familie mit der Unterstützung durch die Schule, Lehrkräfte und evtl. Lerntherapeut*in die Herausforderung gemeinsam meistern möchten

Viele Situationen, bei denen Ihr Kind mit seinen Lese-, Rechtschreib- oder Rechenschwierigkeiten konfrontiert wird, können zuhause einen Konflikt mit Ihnen als Eltern verursachen. Wie können Sie Ihr Kind unterstützen und versuchen, Konflikte zu vermeiden?

  • Zeigen Sie Verständnis und geben Sie ihm Rückhalt in der Familie – das ist eine der wichtigsten Unterstützungsmöglichkeiten
  • Lassen Sie Lernschwierigkeiten nicht zum Hauptthema werden
  • Erkennen Sie die Mühe Ihres Kindes beim Lernen an – nicht ein Mangel an Anstrengung ist der Grund der Schwierigkeiten
  • Vermeiden Sie zusätzliche Kontrolle bei den Hausaufgaben und zeigen Sie Ihrem Kind Vertrauen, die Aufgaben alleine zu lösen
  • Wertschätzen Sie die Anstrengung Ihres Kindes und nicht das Ergebnis(„Seit du mehr übst, bist du viel besser geworden!“, „Schön, wie viel Mühe du dir gibst.“). Ängste, Selbstwertprobleme und widerständiges/aggressives Verhalten wird so entgegengewirkt.
  • Ermöglichen Sie dem Kind Ruheinseln und Freiraum, die eigenen Stärken bei Hobbys und Freizeitaktivitäten wahrzunehmen
  • Versuchen Sie, Fortschritte und Erfolge nicht zu erzwingen

Besonders wenn das Kind schon oft negative Erfahrungen mit Lernsituationen gemacht hat, kann es zum Hinauszögern oder Vermeiden der Hausaufgaben kommen. Wie können Sie sich in diesem Fall verhalten?

  • Zeigen Sie Verständnis, dass die Hausaufgaben nicht immer Spaß machen
  • Überlegen Sie mit Ihrem Kind, welcher Zeitpunkt für die Hausaufgaben am besten ist
  • Ermöglichen Sie regelmäßige kurze Pausen während der Hausaufgaben
  • Schaffen Sie einen ruhigen Arbeitsplatz mit wenigen ablenkenden Reizen
  • Beziehen Sie Ihr Kind in Entscheidungen mit ein, z. B. durch die Wahl, welche Aufgaben es zuerst bearbeiten will.
  • Machen Sie Ihr Kind zum Experten, indem Sie mehr Fragen stellen als zu erklären („Weißt du noch, was die Lehrerin dazu gesagt hat?“, „Kannst du es mir erklären?“)
  • Sprechen Sie mit der Lehrkraft über die schwierige Hausaufgabensituation und legen Sie gemeinsam eine Zeitbegrenzung für Hausaufgaben fest (z. B. 15-20 Minuten täglich, abhängig vom Alter des Kindes)

Fällt es Ihrem Kind schwer, sich zum Lernen zu motivieren? Grund hierfür könnten die Misserfolgserfahrungen sein, die es aufgrund der Schwierigkeiten im Lernen bereits gemacht hat. Wie können Sie Ihr Kind zuhause motivieren?

  • Erstellen Sie gemeinsam einen Plan, der für das Kind transparent macht, wann was geübt wird und wann das Üben beendet wird
  • Belohnen Sie die Anstrengung und das Erfüllen des Übungsplans, nicht das Ergebnis (z. B. mithilfe von Verstärkerplänen)
  • Geben Sie auch bei kleinen Lernfortschritten eine positive Rückmeldung
  • Sprechen Sie Positives stets an (z.B. „Schön, dass wir heute gleich mit den Hausaufgaben anfangen konnten.“)
  • Wechseln Sie mit Ihrem Kind gelegentlich den Arbeitsplatz, um dort zu lernen, wo es angenehm ist (z. B. im Garten anstatt nur im Kinderzimmer).
  • Setzen Sie attraktive Materialien ein (z. B. Comics oder Lern-Apps)
  • Beziehen Sie Themen ein, für die sich Ihr Kind interessiert (z. B. Superhelden oder Einhörner)
  • Veranschaulichen Sie Aufgabenstellungen (z. B. abzählbare Gegenstände beim Rechnen Lernen)
  • Übertragen Sie das Üben im Lesen, Schreiben oder Rechnen in den Alltag (z. B. Kochen und Backen nach Rezept)
  • Kinder/Jugendliche, die sich beim Lesen schwertun, vermeiden es oft. Welche Eigenschaften sollten Bücher haben, damit Ihr Kind sie trotz Leseschwierigkeiten in die Hand nimmt?
  • Klare Schriftart in Form von sogenannten serifenlosen Schriften ( z. B. Verdana oder Arial)
  • Ausreichende Schriftgröße
  • Größerer Abstand zwischen einzelnen Wörtern und Zeilen
  • Gemeinsames Lesen mit dem Kind (z. B. abwechselnd, „ich ein Stück und du ein Stück“)
  • In Ausnahmefällen vorlesen
  • Dem Kind die Wahl des Lesestoffs überlassen. Auch Comics bieten eine Möglichkeit.
  • Regelmäßige Leserituale, die als schöne gemeinsame Familienzeit wahrgenommen werden
  • Häufige und kurze Lese-Einheiten
  • Spielerisch im Alltag Lesen (z. B. Kind beim Kochen Rezept vorlesen lassen, Straßenschilder lesen, usw.)
  • Regelmäßiges Üben zu Hause kann sehr sinnvoll sein. Es kann allerdings auch zusätzliche Konflikte auslösen. Sobald dadurch die Eltern-Kind-Beziehung belastet wird und die unten genannten Punkte nicht umsetzbar sind, sollte die Förderung „ausgelagert“ werden.
  • Versuchen Sie, eine möglichst entspannte Atmosphäre ohne Druck zwischen Ihnen und Ihrem Kind zu schaffen
  • Lassen Sie sich in Bezug auf geeignete Übungsmaterialien beraten
  • Wenden Sie die gleichen Lösungswege an, die das Kind in der Schule lernt
  • Stellen Sie Lücken in den Grundlagen fest, sollten diese als erstes geschlossen werden
  • Erwarten Sie keine kurzfristigen Erfolge
  • Erklären Sie dem Kind, dass Misserfolge für uns alle zum Leben dazugehören
  • Helfen Sie nur, wenn das Kind die Hilfe annimmt
  • Nutzen Sie Förderprogramme zum selbstständigen Üben zuhause
  • Sprechen Sie das Üben zuhause mit der Lehrkraft und/oder Lerntherapeut*in ab
  • Gehen Sie in kleinen Schritten vor. So ist es leichter, positive Rückmeldung zu geben
  • Versuchen Sie als Elternteil „Experte“ für ihr Kind zu werden, so dass Sie immer besser erkennen können, wie und wann ihr Kind wieder neu zum Lernen motiviert werden kann

Spielerisches Üben im Alltag kann eine wichtige Ergänzung zu anderen Fördermaßnahmen darstellen. Sie als Eltern können durch einfache kleine Spiele auch von zuhause regelmäßig mit Ihrem Kind üben. Achten Sie jedoch darauf, dass Ihr Kind noch ausreichend förderfreie Zeit hat, um es nicht zu überfordern.

Spiele zum Lesen und Rechtschreiben üben

  • Ich-sehe-was-was-du-nicht-siehst mit Anfangsbuchstaben
  • Trainingsziel: Vorläuferfähigkeiten, Förderung der auditiven Wahrnehmung
  • Reimen
  • Trainingsziel: phonologische Bewusstheit (Reimerkennung), Einsicht in die Struktur von Wörtern
  • Wörter raten durch Umschreibung von Begriffen
  • Trainingsziel: Wortschatzerweiterung, Förderung der Sprachproduktion
  • Quartett mit Wörtern mit gleichen Anfangsbuchstaben
  • Trainingsziel: Förderung der auditiven Wahrnehmung (genaues Hinhören), Wortschatzerweiterung
  • Wörterketten
  • Trainingsziel: Förderung der auditiven Wahrnehmung, Wortschatzerweiterung
  • Wörter würfeln
  • Trainingsziel: Wortschatzerweiterung, Kombinationsfähigkeit, Rechtschreibung
  • Scrabble
  • Trainingsziel: Wortschatzerweiterung, Kombinationsfähigkeit, Rechtschreibung

 

Spiele zum Rechnen üben

  • Halli Galli
  • Trainingsziel: Mengen schnell erfassen
  • Das Klappenspiel
  • Trainingsziel: Zahlen zerlegen und Addition im Zehnerbereich
  • Quirkle Cubes
  • Trainingsziel: strategische Denken, Addition
  • Kniffel
  • Trainingsziel: Einmaleins
  • Ligretto
  • Trainingsziel: Die Zahlenfolge automatisieren, schnelle Reaktion
  • Elfer raus!
  • Trainingsziel: Die Zahlenfolge automatisieren
  • SET
  • Trainingsziel: Förderung der visuellen Wahrnehmung, Raum-Lage Orientierung
  • Take it easy
  • Trainingsziel: Multiplikation

Der regelmäßige Einsatz von Förderprogrammen zuhause kann Ihrem Kind hilfreiche Unterstützung bieten – sowohl zur Überbrückung der Wartezeit auf einen Lerntherapieplatz als auch als Ergänzung zu einer laufenden Lerntherapie. Es wichtig, nur solche Programme zu nutzen, die direkt das Lesen/ Rechtschreiben/ Rechnen trainieren (sog. symptomorientierte Lese-/Rechtschreib-/Rechenprogramme).

 

Um Ihnen die Auswahl zu erleichtern, finden Sie nachfolgend eine Empfehlung geeigneter Förderprogramme für das Lesen, Schreiben und Rechnen zum selbstständigen Üben zuhause:

 

Lesen

– Lass uns lesen!

– Flüssig lesen lernen 1-4

 

 

Digital:

– Lesespiele mit Elfe und Mathis

– Lautarium

– Meister Cody Namagi

– Prosodiya

 

Rechtschreiben

– Marburger Rechtschreibtraining

 

Digital:

– Meister Cody Namagi

– Lautarium

– Morpheus

– Remo-2

– Orthograph

– Prosidiya

 

 

Rechnen

– Komm mit ins Zahlenland!

– Kein Kind soll an Mathe scheitern 1 + 2

 

Digital

– Rechenspiele mit Elfe und Mathis I + II

– Caleco

– Calcularis

– Alfons 1-4

– Meister Cody Talasia

– The Number Race

Ein Eltern-Kind-Vertrag dient dem Zweck, Verhaltensweisen sowie Verhaltensziele die das Kind erlernen/erreichen soll, festzulegen. Dabei ist es wichtig, dass der erstellte Vertrag auf Freiwilligkeit und Zustimmung aller Beteiligten beruht.

Empfohlen wird außerdem, dass solch ein Vertrag als Methode systematisch angewendet wird., um negative Auswirkungen zu vermeiden. Wenn das Kind bei einem oder einer Lerntherapeut*in ist, sollte der Vertrag deshalb am besten gemeinsam mit dem oder der Therapeut*in erstellt werden.

Was wird im Vertrag definiert?

  • Welches gewünschte Verhalten soll das Kind zeigen?
  • Unter welchen Umständen soll das gewünschte Verhalten erbracht werden (z. B. Zeiten, Dauer, Situation)?
  • Was sind die Folgen, wenn das gewünschte Verhalten gezeigt („Verstärker“ = Anreize/Belohnungen) wird?
  • Wie und von wem wird das gewünschte Verhalten wahrgenommen? (z.B. Mutter, Vater etc.)
  • Wie lang ist die Laufzeit des Vertrages (eher kurz, aber individuell angepasst)?

Vorgehen bei der Erstellung von Eltern-Kind-Verträgen

  • Beobachtung des Verhaltens:
  • Erfassen des problematischen Verhaltens (z. B. was tut das Kind?) und wann tritt es auf (z. B. in welcher Situation?)
  • Definition des erwünschten Verhaltens: Welches Verhalten soll das Kind zeigen?
  • Dokumentation der Fortschritte: Fortschritte können dem Kind anschaulich festgehalten werden
  • Festlegung der Bedingungen: Voraussetzung für eine Belohnung (wenn-dann-Plan) z. B. „Wenn das Kind bis 15 Uhr mit den Hausaufgaben begonnen hat, dann erhält es … (den Verstärker).“
  • Festlegung der Verstärker: Die Verstärker müssen mit dem Kind gemeinsam ausgewählt werden, damit diese für das Kind attraktiv sind. Je attraktiver die Verstärker, desto motivierender wirken sie. Drei Verstärker-Arten sind möglich:
  • Materielle Verstärker: z. B. kleine Geldbeträge, Süßigkeiten, Glasdiamanten
  • Aktivitätenverstärker: z. B. Vorlesegeschichte bestimmen, Nachtisch auswählen, Tablet-Spielzeit, Schwimmbadbesuch
  • Tokens: Punkte (z. B. Büroklammern, Stempel, Sticker), die zu bestimmten Zeitpunkten in gewünschte Gegenstände oder Aktivitäten eingetauscht werden können. Dazu muss der „Token-Preis“ der Gegenstände oder Aktivitäten zuvor festgelegt werden und für das Kind erreichbar erscheinen (z. B. 2 Token für einen Glasstein, 10 Token für einen Schwimmbadbesuch usw.)
  • Aushandeln und Abfassen des Vertrages: In Absprache mit dem Kind werden die Vertragsziele festgelegt. Je älter das Kind ist, desto mehr Berücksichtigung sollten eigene Vorstellungen berücksichtigt werden.
  • Vertragsschluss: Der Vertrag wird von allen Beteiligten unterschrieben
  • Durchführung: Die Belohnung innerhalb des Vertrags sollte sofort erfolgen